Aktuelles aus dem Kreisverband

Leserbrief zu „Frauenmangel in der Politik“

11.08.20 –

Der Frauenanteil in der Kommunalpolitik ist gering – das wird zu Recht bemängelt und gerne mit der Nichtvereinbarkeit von Familie und Politik begründet. Aber: Nicht alle Frauen haben Kinder und nicht alle Frauen haben Kinder, die noch betreut werden müssen. Nicht alle Frauen haben zu pflegende Angehörige. Übrigens sind auch männliche Kommunalpolitiker in der Altersgruppe der Familienphase unterdurchschnittlich vertreten. Wird mit dieser Argumentation nicht versucht, die Rolle der Frauen zu definieren? Kümmern sich Männer in Familien nicht um die Kinder? Das Weltbild hinter dieser Argumentation sollte einmal genauer betrachtet werden. Diese Begründung ist zu einfach, eher schon verfälschend und wird gerade bei von den konservativen Parteien gerne genutzt. Bei den Grünen und den Linken wird bereits seit Jahren bei den Aufstellungen quotiert. Schauen wir uns die für die kommende Kommunalwahl gerade abgeschlossene Listenaufstellung an, sieht man und frau, dass bereits bei den Direktkandidatinnen und -kandidaten deutlich mehr Männer aufgestellt wurden. Die Reservelisten zeigen gerade bei der CDU und FDP zusätzlich mehr männliche Bewerber. Das spiegelt auch den Anteil von weiblichen Mitgliedern in den jeweiligen Parteien wider: Die CDU hat einen Frauenanteil von ca. 26%, die FDP von ca. 21%; bei den Grünen liegt der Frauenanteil bei ca. 41%.

Bei einem größeren Wettbewerb, also bei einem höheren Frauenanteil bei Bewerbungen um aussichtsreiche Listenplätze setzen sich doch eher qualifiziertere BewerberInnen durch, sofern es sie denn gibt. Frauen bewerben sich zu wenig um diese Positionen, ziehen sich bei Stichwahlen schneller zurück. Frauen fehlen oft die weiblichen Vorbilder, ihnen fehlt die „peer-group“. Und daran sollten die Parteien arbeiten. WissenschaftlerInnen stellten nach Einführung von Quoten eine Kompetenzsteigerung in den jeweiligen staatlichen Parlamenten fest. Und daran sollte doch allen gelegen sein.

(Übrigens: Die Sitzungszeiten werden in den jeweiligen Gremien mehrheitlich beschlossen, es bestünde also die Möglichkeit durch Mehrheitsbeschlüsse die Sitzungen zu familienfreundlichen Zeiten anzusetzen.)

Ursula Mindermann (Mitglied der Grünen Kreistagsfraktion) für den Kreisverband Bündnis 90/Die Grünen Warendorf

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