Waldspaziergang „PFAS – die unsichtbare Gefahr"

20.05.26 –

Auf großes Interesse stieß der Waldspaziergang „PFAS – die unsichtbare Gefahr" des Grünen Kreisverbandes Warendorf. Zahlreiche Interessierte nahmen gemeinsam mit dem Landtagsabgeordneten Dr. Gregor Kaiser und Simone Eckermann von Wald und Holz NRW, Regionalforstamt Münsterland, an der Begehung im Gebiet Wartenhorster Sundern in Everswinkel teil. Die Begrüßung der Teilnehmenden übernahm zu Beginn die Kreisvorsitzende Nicole Haferkemper-Selau. Vorstandsmitglied Silvia Gora unterstützte die Veranstaltung gemeinsam mit dem OV Everswinkel organisatorisch.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen sogenannte PFAS – per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen. Dabei handelt es sich um Industriechemikalien, die aufgrund ihrer wasser-, fett- und schmutzabweisenden Eigenschaften seit Jahrzehnten in vielen Alltagsprodukten eingesetzt werden, etwa in Outdoor-Kleidung, Löschschäumen, beschichteten Pfannen oder Verpackungen. Problematisch ist jedoch, dass diese Stoffe in der Umwelt kaum abgebaut werden und sich dauerhaft in Böden, Gewässern, Pflanzen, Tieren und letztlich auch im menschlichen Körper anreichern können. Deshalb werden PFAS häufig auch als „Ewigkeitschemikalien" bezeichnet.

Dr. Gregor Kaiser machte während des Waldspaziergangs deutlich, warum das Thema zunehmend auch für Wälder und ländliche Regionen relevant ist. Gelangen PFAS in Böden oder ins Grundwasser, bleiben sie dort über lange Zeiträume erhalten und können sich weiter ausbreiten. Die Stoffe stehen unter anderem im Verdacht, Krebs zu begünstigen, das Hormonsystem zu beeinflussen, die Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen sowie Schäden am Immunsystem hervorzurufen. Auch Auswirkungen auf Trinkwasser und Nahrungsketten werden intensiv diskutiert.

Neben der PFAS-Problematik ging es bei der Begehung auch um grundsätzliche Fragen der Waldentwicklung und Waldbewirtschaftung. Simone Eckermann erläuterte anschaulich den Unterschied zwischen bewirtschafteten Wäldern, Naturwaldflächen und Wildnisgebieten. Entscheidend sei dabei vor allem der Grad menschlicher Eingriffe: Während in bewirtschafteten Wäldern gezielt gepflegt, geerntet und gesteuert werde, gehe es auf Naturwald- und Wildnisflächen darum, Waldentwicklung möglichst sich selbst zu überlassen. Solche Flächen seien bislang leider noch zu selten und oft zu klein, könnten aber wichtige Erkenntnisse darüber liefern, welche Baumarten, Waldstrukturen und natürlichen Prozesse sich unter veränderten Klimabedingungen als besonders widerstandsfähig erweisen.

Auch praktische Fragen der Forstwirtschaft wurden vor Ort diskutiert. Dazu gehörten die Bedeutung klimaresistenter Mischwälder, die natürliche Verjüngung des Waldes sowie die Herausforderungen durch Wildverbiss und Wühlschäden. Schäden durch Rehe an jungen Bäumen und durch Wildschweine im Boden zeigten, wie eng Waldentwicklung, Jagd und Naturschutz miteinander verbunden sind. Deutlich wurde dabei auch, dass Jagd im Wald nicht grundsätzlich im Widerspruch zu ökologischen Zielen steht, sondern unter bestimmten Bedingungen ein wichtiger Beitrag sein kann, um junge Bäume und eine vielfältige Waldverjüngung zu ermöglichen.

Ein weiteres Thema war der starke Brombeerbewuchs, der in manchen Bereichen zwar ökologisch wertvolle Deckung und Nahrung bietet, zugleich aber jungen Eichensämlingen Licht und Platz nehmen kann. Gerade daran wurde deutlich, wie komplex Waldökosysteme sind: Was für einzelne Arten nützlich ist, kann an anderer Stelle die Entwicklung klimaangepasster Mischwälder erschweren. Simone Eckermann machte deutlich, dass eine ökologische Waldentwicklung immer ein genaues Hinsehen und Abwägen erfordert.

Der Waldspaziergang knüpfte an Gregor Kaisers regelmäßige Veranstaltungsreihe zu Wald-, Umwelt- und Naturschutzthemen an. Der Grünen-Politiker aus Lennestadt, der einen eigenen Bio-Land- und Forstbetrieb führt, setzt sich seit Jahren für klimaresistente Mischwälder, Bodenschutz und einen verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen ein. Dabei verbindet er fachliche Informationen mit Gesprächen direkt vor Ort im Wald.

Die Teilnehmenden nutzten die Gelegenheit, zahlreiche Fragen zu den Auswirkungen der PFAS-Belastung auf Mensch, Umwelt und Forstwirtschaft zu stellen. Besonders deutlich wurde dabei, wie eng Umwelt-, Gesundheits-, Verbraucher- und Naturschutz miteinander verbunden sind.

Im Anschluss an die Waldbegehung kamen die Gäste im Grünen Laden in Everswinkel bei Kaffee und Kuchen zu einem Vortrag sowie anschließendem Austausch mit Gregor Kaiser zusammen. Der Grüne Kreisverband Warendorf zeigte sich erfreut über die hohe Beteiligung und das große Interesse an dem Thema.

„Wir müssen dringend die Weichen stellen, um Wälder und Böden zu schützen", betonte Gregor Kaiser.

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