"Afghanistan - verlassen und vergessen?" - Veranstaltung mit Schahina Gambir

25.10.23 –

Zu einem intensiven Austausch mit der Bundestagsabgeordneten Schahina Gambir versammelten sich ca. 40 größtenteils fachlich orientierte Interessierte auf Einladung des Grünen Kreisverbandes im Bürgerzentrum „Schuhfabrik“ in Ahlen.

Die in Kabul geborene und in Deutschland aufgewachsene grüne Parlamentarierin berichtete sehr eindrücklich aus erster Hand von ihrer Arbeit in der Enquetekommission zu Afghanistan. Sie ging vor allem auf die Situation der Frauen unter dem Taliban-Regime ein. Diese existieren in der Öffentlichkeit förmlich nicht mehr. Frauen dürften nur verschleiert und in Begleitung eines Mannes vor die Tür, es gäbe keine Freizeitangebote, Arbeit sei für sie verboten genauso wie eine schulische und universitäre Ausbildung. Die Selbstmordrate sei gestiegen, die Situation verheerend.

97 Prozent der Bevölkerung sei auf humanitäre Hilfe angewiesen. Deutschland habe fünf Millionen Euro für einen nationalen UN-Hilfsfonds zugesagt, um die Menschen mit Essensrationen, Decken, Zelten oder Wasser zu versorgen. Wegen der Schulverbote habe die Bundesregierung afghanische Verantwortliche mit Sanktionen belegt.

Die Bundestagsabgeordnete erläuterte die Schwierigkeiten bei der versprochenen Evakuierung der so genannten „Ortskräfte“, ansässige Mitarbeiter*innen der Deutschen Einsatzkräfte, die seit dem Abzug der Bundeswehr von Repressalien bedroht sind. „Dafür wurden Ausnahmeregelungen gesetzlich verankert, die aber nicht alle möglichen Situationen erfassen können. Die praktische Arbeit geht sehr ins Detail, ich bin aber optimistisch, dass wir unsere Versprechen mittelfristig zu großen Teilen erfüllen können.“ Auch Sicherheitsaspekte verzögerten häufig die Abwicklungen, seien aber eben auch notwendig.

Gambir ging auch auf weitgehend unbekannte Aspekte der Afghanischen Gesellschaft ein und zeichnete ein heterogenes Bild des Machtapparates. „Es gibt innerhalb der Taliban durchaus verschiedene Richtungen und neben Hardlinern auch gemäßigte Akteure. Es ist deshalb für die Menschen in diesem und ähnlichen Regimes essentiell, dass wir liberaleren Auslegungen des Koran auf internationaler Ebene Stimme und Gehör verschaffen.“, so Gambir.

Für die letzte halbe Stunde stand die Abgeordnete für Gespräche zur Verfügung, in denen es auch um Einzelschicksale ging.

Durch den Abend führte Ali Baş, Co-Sprecher des Grünen Kreisverbandes.

 

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